Über die Kampagne...

Wir, als Kampagne „ Freiheit für Yildiz“, fühlen uns verbunden mit der kurdischen Frauenbewegung und den antipatriarchalen Kämpfen für die Befreiung von Frauen, Trans, Lesben, Non-Binary und Inter weltweit.

Wir solidarisieren uns mit Yildiz, einer Frau, die ihr ganzes Leben lang gegen patriarchale Strukturen und Gewalt und für ein Leben in Selbstbestimmung, für sich und alle Frauen weltweit, gekämpft hat und weiter kämpft.

Wir sind auch hier, weil wir die Ziele, für die sie einsteht – Selbstbestimmung, Ökologie, Basisdemokratie und Feminismus im mittleren Osten und weltweit – unterstützen!

Mit dem völkerrechstwidrigen Angriffskrieg der Türkei seit dem 9. Oktober sieht sich das selbstverwaltete Gebiet in Nord- und Ostsyrien, Rojava, einem weiteren brutalen Angriff ausgesetzt. Die Folgen sind eine humanitäre Katastrophe und eine Destabilisierung der gesamten Region. Hunderttausende Menschen mussten bereist fliehen, Kriegsverbrechen, wie die Bombardierung von ziviler Infrastruktur und Wohnhäusern, wurden auch von amnesty international angeprangert. Zahlreiche Kriegsverbrechen von Seiten der türkischen Soldaten und seiner dschihadistischen Verbündeten wurden bereits dokumentiert.

Nicht zuletzt der kaltblütige Mord an der kurdischen Politikerin Havrin Khalaf, zeigt, wie sehr dieser Krieg auch ein Angriff auf die Frauenrevolution ist, welche in Rojava die treibende Kraft einer basisdemokratischen Gesellschaft ist.

Havrin Khalaf war Politikerin der Zukunftspartei Syriens und setzte sich für den Aufbau einer pluralistischen Gesellschaft und für eine friedliche Lösung ein.

In Zeiten von Krieg zeigt sich auch das Patriarchat immer von seiner hässlichsten Seite. Gerade Frauen und Mädchen sind neben anderen Auswirkungen auch mit sexualisierten Übergriffen konfrontiert, die schon immer eine zusätzliche Kriegswaffe dargestellt haben!

Neben den dahinterstehenden wirtschaftlichen und machstrategischen Interessen, sehen wir diesen Krieg auch als einen Angriff auf die Ideen der selbstverwalteten Strukturen in Nord- und Ostsyrien. Diese Ideen, stellen sich gegen die kapitalistische Profitmaximierung und orientieren sich stattdessen an den tatsächlichen Bedürfnissen der Menschen vor Ort. Gerade in diesen Zeiten brauchen wir eine nachhaltige und ökologische Alternative der Organisierung der Gesellschaft! In Rojava stehen Ökologie und die Befreiung von jeglicher patriarchaler Unterdrückung als tragende Säulen. Frauen* organisieren sich autonom in allen Lebensbereichen und keine Entscheidung wird ohne sie getroffen.

Wie Yildiz am ersten Prozesstag schon sagte, auch dort gibt es keine hundertprozentige Gleichberechtigung, aber bereits große Schritte dahin. Die wenigsten Orte der Welt können das von sich behaupten!

Den Angriff auf Nord- und Ostsyrien durch die Regierung der AKP unterstützt der deutsche Staat weiterhin durch seine weitreichende Kriminalisierung der kurdischen Bewegung.

Yildiz Aktaş wird nach dem Paragraphen §§129a/b StGB als Mitglied einer „terroristischen Vereinigung im Ausland“ angeklagt. Per Definition wird dabei von einer Vereinigung gesprochen, „ deren Zweck oder Tätigkeit darauf abzielt, Mord, Totschlag, Völkermord oder andere Verbrechen gegen die Menschlichkeit“ zu begehen. Wir fragen uns wer nach dieser Definition die eigentlichen Terroristen sind?! Die Kräfte in Rojava machen von der Selbstverteidigung Gebrauch, sie kämpfen dort gegen den sogenannten Islamischen Staat und legen vor Ort das Fundament für eine pluralistische, ökologische, basisdemokratische und feministische Gesellschaft! Mit diesem Terrorparagraphen wird die kurdische Bewegung mit dem IS gleichgesetzt. Aktuell konnten durch die Bombardements des türkischen Staates bereits tausende IS Kämpfer und ihre Familien aus den Camps flüchten. Das stellt auch für die EU Länder eine konkrete Gefahr dar.

Wir unterstützen den Antrag der Verteidigung von Yildiz, das Verfahren zu unterbrechen und die Verfolgungsermächtigung einer gründlichen Prüfung zu unterziehen! Es benötigt einer Prüfung, die den aktuellen politischen Kontext berücksichtigt und deutlich macht, dass diese vor allem auch unter den gegeben Zuständen nicht haltbar ist!

Wir denken in diesen Zeiten eines faschistischen Aufschwungs, der sich weltweit bemerkbar macht, brauchen wir mehr denn je eine feministische und antifaschistische Antwort. Wir verstehen die Anklage gegen Yildiz als einen Angriff auf uns alle!

Yildiz hat sich ihr Leben lang für Ideale eingesetzt, die auch wir als Teil einer weltweiten feministischen Bewegung erkämpfen wollen: Geschlechterbefreiung, Demokratie und Frieden. Dass dieses Engagement nun kriminialisert wird, ist damit ein Angriff auf uns alle, der sich gegen unseren Wunsch nach einem Leben in Freiheit richtet.

In diesem Sinne – Jin Jiyan AzadÎ